Der Weg zum SAP Berater

SAP-Berater: erstrebenswerter Job mit gewissen Voraussetzungen
SAP-Berater: erstrebenswerter Job mit gewissen Voraussetzungen

Für viele IT-Experten ist eine Tätigkeit als SAP-Berater ein erstrebenswertes berufliches Ziel. Der Job gilt als abwechslungsreich - es gibt SAP-Jobs in vielen Spezialbereichen. Zudem ist die Tätigkeit gut angesehen und bestens vergütet. Doch welche Voraussetzungen sollte man erfüllen, um eine Karriere in der SAP-Beratung erfolgreich zu beschreiten?


SAP-Beratung: Veränderungsprozesse steuern

Das Unternehmen SAP mit Sitz im hessischen Walldorf ist aktuell der größte Hersteller von Software außerhalb der USA. Die Produkte von SAP werden im Wesentlichen im Business-Umfeld verwendet, um geschäftliche Prozesse jeglicher Art abzubilden. Dazu zählen die Buchführung, Controlling, Vertrieb, Einkauf, Produktion, Lagerhaltung und das Personalwesen.

Die Software von SAP ist daher kein einheitliches System, mit dem sich alle betrieblichen Prozesse mit einer einzigen Standardanwendung steuern lassen, sondern sie besteht aus einer Vielzahl von Programmen und sogenannten Modulen. Daraus ist eine gewisse Komplexität entstanden, zu der sich außerdem die Anforderungen des jeweiligen Unternehmens addieren. Diese ergeben sich zumeist aus den speziellen Gegebenheiten der Branche, in der das Unternehmen tätig ist.

So ist eben die SAP-Software, die in der Wohnungswirtschaft zur Verwaltung von Miet- oder Eigentumswohnungen eingesetzt wird, eine ganz andere als die, die für eine Vermietung von Fahrzeugen ausgelegt ist.

Um geschäftliche Prozesse optimal mit der SAP-Software abzubilden und zu steuern, können zwei unterschiedliche Wege beschritten werden:


- Veränderung der SAP-Software: Die Software und ihre Module können so ausgewählt und teilweise angepasst werden, dass sie auf bestehende Prozesse in dem Unternehmen zugeschnitten sind.
- Veränderung im Unternehmen: Die Prozesse im Unternehmen selbst können derart neu organisiert oder angepasst werden, dass sie mit der SAP-Software erledigt werden können bzw. nun besser damit korrelieren.

Diese Faktoren richtig zu bewerten und daraus Maßnahmen abzuleiten, die sowohl die Entwicklungskosten für die Implementierung der angepassten Software als auch die Aufwände für die eventuell notwendigen betrieblichen Veränderungen in Betracht ziehen, ist die Aufgabe eines ganz neuen Berufsbildes: Der SAP-Berater.
 

Anforderungen an SAP-Berater

Um als SAP-Berater eine qualifizierte Expertise zu erarbeiten und damit die richtigen Entscheidungshandlungen zu empfehlen, die auf den Projekterfolg einzahlen, sind Fachkenntnisse unbedingt erforderlich. Denn diese spielen nicht einzeln, sondern sich wechselseitig beeinflussend, eine entscheidende Rolle bei der Konfiguration des gesamten Prozesses der Softwareanpassung und -implementierung.

Folgende Fachkenntnisse sind notwendig:

  • Kenntnis betrieblicher Prozesse und deren Optimierung
  • Kenntnis der Anforderungen der jeweiligen Branche, in der das Unternehmen tätig ist
  • Kenntnis der SAP-Software und der jeweiligen Module
  • Kenntnis der Umsetzung von Change-Prozessen

Die Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Grundlagen, geschäftlicher Organisation und der IT-Software sind selbstverständliche Voraussetzungen für die Tätigkeit als SAP-Berater. Nur mit ausgewiesener Expertise in Betriebswirtschaftslehre oder auch Wirtschaftsinformatik können SAP-Projekte gelingen.

Hingegen wird die komplexe Fähigkeit, Veränderungsprozesse souverän zu steuern, oft unterschätzt. Diese ist allerdings oft der wichtigste Faktor, der über den Erfolg oder Misserfolg eines SAP-Projektes entscheidet. Empathiefähigkeit, Kommunikationstalent und Führungsstärke müssen bei Veränderungsprozessen in einer wohl austarierten Mischung zum Einsatz kommen.

Einerseits muss die Unternehmensführung ihre bei der Beauftragung formulierten Ziele erreichen, andererseits müssen die komplexen Interessenlagen von Mitarbeitern berücksichtigt werden, um gegebenenfalls organisationsinterne Widerstände zu überwinden oder aufzulösen. Wer SAP-Beratung nur als technische Dienstleistung begreift, kann schnell in Problemlagen geraten, in denen es stark menschelt und die den Projekterfolg nachhaltig gefährden.
 

Der Weg zum SAP-Berater

Unabdingbare Voraussetzung, um erfolgreich die Karriere als SAP-Berater zu bestreiten, ist eine universitäre Ausbildung. Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftswissenschaften, Informatik oder Wirtschaftsinformatik sind geeignete Studiengänge, die auf diese Tätigkeit vorbereiten.

Festzustellen bleibt: Ein SAP-Studium in dem Sinne gibt es (bisher) nicht. Daher müssen die Kenntnisse über die Software gesondert erworben werden, wobei an einigen Universitäten in den genannten Studiengängen inzwischen Testinstallationen zur Verfügung stehen. Im Optimalfall werden Seminare zu einzelnen SAP-Modulen angeboten.
Vertiefte und umfassendere Kenntnisse kann man daher nur im Rahmen eines Praktikums, Studentenjobs oder als Trainee bei einem SAP-Beratungsunternehmen erhalten. Oder man nimmt an speziellen, kommerziellen Schulungen teil, die entsprechende Kenntnisse und Zertifikate vermitteln.

Der nächste Schritt ist dann die Aufnahme einer Tätigkeit als SAP-Berater in einem entsprechenden Unternehmen. Hier sollten sich Bewerber auf sorgfältige Auswahlverfahren und intensive Vorstellungsgespräche einstellen. Die Beratungsunternehmen legen dabei auf Fachkenntnisse ebenso Wert, wie auf die genannten Soft Skills oder auch auf den professionellen Auftritt. Immerhin sind SAP-Berater oft über Monate direkt bei den Auftraggebern inhouse beschäftigt und da könnte ein verunglücktes Auftreten für den Arbeitgeber empfindliche Konsequenzen haben.

SAP-Beratung bedeutet viel Teamarbeit. Wer Schwierigkeiten hat, im Team mit vielen Menschen unterschiedlichster Interessen zusammenzuarbeiten, wird auf Dauer in diesem Beruf vermutlich keinen Erfolg haben.

Hinzu kommt ein Umstand, der auf Dauer manchen Bewerber abschreckt und über den man sich bei Antritt dieses Berufes klar sein sollte: eine ausgiebige Reisetätigkeit. Wie dargestellt, ist es für eine Tätigkeit als SAP-Berater unbedingt notwendig, sich über einen längeren Zeitraum innerhalb des Unternehmens aufzuhalten, welches die Implementierung oder Neuprogrammierung von SAP-Modulen beauftragt hat. Als SAP Consultant ohne Reisetätigkeit oder im Home Office zu arbeiten ist die Ausnahme.
 

Faktor Gehalt

SAP-Berater gelten im Allgemeinen als Mitarbeiter im gehobenen Gehaltssegment, und das ist zumeist auch berechtigt.

Die Gründe sind klar: Die Verantwortung ist enorm, der finanzielle Effekt für die Auftraggeber bei Erfolg erheblich und der persönliche Einsatz groß. Vor allem wenn Erfolge der Tätigkeit nachgewiesen werden können, kann man schon nach wenigen Jahren Berufserfahrung mit einem Jahresgehalt von bis zu 90.000 Euro rechnen. Viele Unternehmen gehen allerdings dazu über, gewisse Bestandteile des Gehalts in Form von Erfolgsprovisionen auszuschütten. Hier sollte man allerdings darauf achten, dass entsprechende Benchmarks schriftlich ausformuliert werden, um Unstimmigkeiten zu vermeiden.
 

Fazit

Der Karriere als erfolgreicher SAP-Berater steht dann nichts im Weg, wenn die entsprechenden Grundlagen in Form vertiefter Kenntnisse in der Betriebswirtschaft und im IT-Management gelegt sind. Darauf aufbauend sind sowohl Branchenkenntnisse als auch das Verständnis betrieblicher Organisation erforderlich. Unabdingbar sind außerdem Soft Skills wie Durchhaltevermögen, Verhandlungsgeschick und Koordinationsfähigkeit. Nur dann lassen sich entsprechende Veränderungsprozesse bei den Auftraggebern erfolgreich umsetzen. Ebenso werden nur in diesem Fall die Rationalisierungeffekte, die mit einer SAP-Anwendung immer verbunden sind, tatsächlich eintreten. Diese allein, rechtfertigen entsprechende Gehaltsvorstellungen.